Pressemitteilungen 2006Pressemitteilung 08.03.06
 

Pressemitteilung 08.03.06
an: Medien ITB
von: Bush Telegraph (Kontakt s.u.)
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- 3 Texte (Dt.) - Haupttext, Kasten: Herkunft, Kasten: Faszination
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  Die Wilden Pferde der Namib - Leben am Rande der Existenz
Alle Jahre wieder, wenn am Rande der Namibwüste im Süden Namibias Dürre herrscht, sorgen sie weit über die Landesgrenzen hinaus für Schlagzeilen: Die Wilden Pferde der Namib. Experten haben auf einem Arbeitstreffen im November 2005 über die Pferde und mögliche Maßnahmen zur Hege debattiert. Und nebenbei das Geheimnis ihrer Herkunft gelüftet...

von Mannfred Goldbeck
 

  Erbarmungslos brennt die Sonne auf das öde Land. Felsen, Geröll, Sand. Hier und da ein vertrockneter Strauch oder ein gelbes Grasbüschel. Die Hitze füllt die ausholenden Senken mit flüssiger Luft. In der flirrenden Fläche schwimmen Schatten, nehmen allmählich Konturen an. Ein Hengst und zwei Stuten. Mühsam setzen die Tiere Huf vor Huf. Weit ist der Weg zwischen Weide und Wasserstelle. Mit jedem Tag ohne Regen wird er weiter, wird das Gras spärlicher. Es muss schon lange her sein, seit es das letzte Mal geregnet hat: Scharf zeichnen sich die Rippen der Pferde unter dem Fell ab.  

 
Wilde Pferde bei Garub. Im Hintergrund die Berge der Großen Randstufe.
Foto: Telané Greyling
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  Die Wilden Pferde in dem Gebiet um Garub 20 km westlich von Aus führen ein hartes Leben. Regen fällt wenig und nicht zuverlässig - oft gerade genug für Sukkulenten, dornige Sträucher und Gräser. Meist finden die Pferde genug Nahrung. Aber immer wieder gibt es in dem Randgebiet der Namibwüste Dürrejahre. Wie 1991/92 oder 1998/99, als die Pferde hungerten und schwache Tiere starben. Nach dem öffentlichen Aufschrei, der sich weit über die Grenzen Namibias hinaus erhob, wurden teure Fang- bzw. Fütterungsaktionen gestartet. Beides mit nur mäßigem Erfolg.  

Zugleich flammte eine alte Diskussion wieder auf: Soll man die Pferde dort dulden? Schließlich liegt ein großer Teil ihres Lebensraumes im staatlichen Namib Naukluft Park, mit dem die heimische Flora und Fauna geschützt werden soll - und nicht diese 'Eindringlinge', die von domestizierten Pferden abstammen, erst seit 90 Jahren in diesem Gebiet leben und ohne die vom Menschen geschaffene Wasserstelle bei Garub gar nicht existieren könnten (siehe Kasten 'Herkunft').
Einige Naturschützer befürchteten zudem, dass die Wilden Pferde heimische Pflanzen und Tiere verdrängen, und wollten sie aus dem Park entfernen. Auf massiven Druck durch Öffentlichkeit, Medien und Pferdefreunde im Ministerium wurde dieses Vorhaben allerdings aufgegeben. Mittlerweile haben sich die Pferde zu einer Attraktion für Touristen entwickelt und schaffen damit Einnahmen und Arbeitsplätze für die Menschen der Umgebung.
 
Wildes Pferd an der Tränke von Garub.
Foto: Telané Greyling

  Störfaktor in sensibler Umwelt?

Doch die berechtigten Bedenken waren damit keineswegs beseitigt, die Probleme keineswegs gelöst. Die Umgebung von Aus gilt als biologischer Hotspot - mit mehr als 500 Pflanzenarten, von denen einige lokal endemisch sind, also nur hier vorkommen. Was wäre, wenn die Pferde einen Störfaktor in ihrer Umwelt darstellen, der dazu beiträgt, dass weltweit einzigartige Pflanzen aussterben? Was bedeutet die Anwesenheit der Wilden Pferde für den Management-Plan des Naturschutzgebietes? Kann man sie wie Wild behandeln und sie in Jahren der Dürre einfach ihrem Schicksal überlassen? Oder greift man ein? Und wenn ja, wie?
 

Diesen und weiteren Fragen ist die südafrikanische Biologin Telané Greyling in ihrer Doktorarbeit nachgegangen, unterstützt vom namibischen Ministerium für Umwelt und Tourismus sowie vom Lodge- und Tourbetrieb Klein-Aus Vista und dem Unternehmen Nature Investments (t/a Gondwana Desert Collection). Die Ergebnisse präsentierte Greyling im November 2005 auf einem Arbeitstreffen im Cañon Village am Fischfluss Canyon. Zu den Teilnehmern zählten Vertreter von Ministerium, Naturschutz, Veterinärwesen, Tourismus und Medien sowie Wissenschaftler aus Namibia, Südafrika und Großbritannien.  
Die Tränke von Garub mit dem Unterstand für Besucher.
Foto: Telané Greyling
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  Auf der Grundlage ihrer jahrelangen Forschungsarbeit diskutierten die Experten zunächst das Grundsatzproblem der Pferde als 'Eindringlinge' im sensiblen Ökosystem der Namibwüste. Greyling hat jedoch keine Hinweise darauf finden können, dass die Pferde heimische Pflanzen oder Tiere verdrängen würden. Im Gebiet der Pferde, so ihr Befund, gebe es im Großen und Ganzen die gleichen Arten und eine ähnliche Anzahl an Individuen pro Art wie in nahe gelegenen Vergleichsgebieten ohne Pferde.  

  Solides Management statt Krisenhilfe

In einem zweiten Schritt ging es auf der Tagung darum, speziell auf die Pferde zugeschnittene Empfehlungen für einen möglichen Management-Plan des Ministeriums zu formulieren. Denn natürlich handelt es sich bei den Wilden Pferden nicht um Wild wie Gemsbock oder Springbock. Einerseits sind sie zwar keine Haustiere mehr, sondern Teil der 'freien' Natur und unterliegen deren Regeln. Der Tod schwacher Tiere in der Dürre gehört daher zum natürlichen Zyklus. Andererseits kann sich der Mensch nicht völlig aus der Verantwortung stehlen. Zäune blockieren im Osten den Zugang zu natürlichen Wasserstellen und besserer Weide auf den angrenzenden Farmen (übrigens auch für Gemsböcke eine Todesfalle). Und in Dürrejahren mögen die Tiere soweit dezimiert werden, dass der Gen-Pool leidet und Inzucht ihren Fortbestand gefährdet. 'Ja' zu den Pferden heißt daher auch 'Ja' zur Hege.
 

  Bevor man Maßnahmen erwägt, muss man sich über die Ziele klar sein, die man damit erreichen will. Auf dem Arbeitstreffen wurden folgende mögliche Zielsetzungen formuliert: eine stabile Population der Wilden Pferde gewährleisten, die Kosten für ihre Hege möglichst niedrig halten, die Attraktion für den Tourismus besser nutzen, mehr Wissen über die Tiere sammeln und die Öffentlichkeit besser informieren.  

 
Karte des Gebietes der Wilden Pferde in der südlichen Namib.
Quelle: Telané Greyling
 

  Die Kontrolle der Population setzt voraus, dass Regen, Weide, Zahl und Zustand der Pferde regelmäßig beobachtet werden. Als Orientierungswert für eine stabile Population einigte man sich auf 130, wobei die Zahl kurzfristig zwischen 80 und 180 schwanken darf. Solche Schwankungen gab es auch in der Vergangenheit. In den Siebziger und Achtziger Jahren wurde die Zahl der Pferde auf 250 geschätzt, mit Errichtung der Zäune Ende der Achtziger ging sie stark zurück. Im Juni 1992 wurden 104 Pferde gefangen. 1993 gab es 110, 1997 wieder 149 Pferde, 1999 nur noch 89 und heute wieder rund 150 Tiere.  

  Empfohlen wird von der Expertenrunde zudem, in Zeiten der Dürre in einem angrenzenden Weidegebiet eine Wasserstelle zu öffnen, damit der Weg zum Wasser verkürzt wird. Die Pferde haben sich zwar an die Trockenheit angepasst, indem sie länger und ohne Stress auf Wasser verzichten können als Hauspferde. In den heißen Sommermonaten (November bis März) kommen sie im Schnitt alle 30 Stunden, in den kühleren Wintermonaten (Mai bis September) alle 72 Stunden zur Tränke. Aber je länger der Weg zwischen Weide und Wasser, desto mehr Energie verbrauchen sie. Verschlechtert sich der Zustand der Pferde weiter, so soll als Zusatzfutter Luzerne ausgelegt werden. Wichtig sei, das Futter weit zu verstreuen, um Stress verursachenden Konkurrenzsituationen und Kämpfen vorzubeugen.  

  Auch für mögliche Fangaktionen, mit denen die Bestände reguliert werden könnten, wurden Vorschläge erarbeitet. So sollten junge Pferde (2 bis 4 Jahre) und zu gleichen Teilen Stuten und Hengste ausgewählt werden. Auf diese Weise würden langfristige Störungen des sozialen Gefüges wie nach der Aktion von 1992 vermieden, als ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht mehr als 100 Tiere gefangen wurden.  

Einen wichtigen Stellenwert der Diskussion nahmen auch die Menschen ein, die in der Umgebung leben und indirekt von den Pferden profitieren - indem diese nämlich Touristen anziehen. Ab Mitte 2006 können Besucher die Tiere nicht nur am Unterstand an der Tränke bei Garub beobachten, sondern erhalten im 20 km entfernten Aus Info Center viele Hintergrundinformationen. Dort soll auch ein Büchlein zu den Pferden verkauft werden, das derzeit geplant ist. Das Center dient als Einnahmequelle für die Gemeinschaft von Aus und könnte in ferner Zukunft mit

 
Schautafel zu den Wilden Pferden, die man als Gast im Aus Tourist Information Centre vorfindet.
Quelle: Gondwana Desert
  einem Forschungszentrum zu den Pferden kombiniert werden. Durch die beiden Einrichtungen könnte man auch das anvisierte vierte Ziel erreichen: die Öffentlichkeit besser über die Wilden Pferde der Namib informieren.  

- Ein ähnlicher Beitrag zu diesem Thema ist in der Gondwana News
- 2006 erschienen (zu beziehen bei Gondwana Desert Collection,
- Kontakt-Info s.u.).


 

Information:
Gondwana Desert Collection
Marketing Manager Miriam Spatz
Tel +264 (0)61 230066
Fax +264 (0)61 251863
Email info@gondwana-desert-collection.com
Web www.gondwana-desert-collection.com

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