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Die
Wilden Pferde der Namib - Leben am Rande der Existenz
Alle Jahre wieder, wenn am Rande der Namibwüste
im Süden Namibias Dürre herrscht, sorgen sie
weit über die Landesgrenzen hinaus für Schlagzeilen:
Die Wilden Pferde der Namib. Experten haben auf einem
Arbeitstreffen im November 2005 über die Pferde
und mögliche Maßnahmen zur Hege debattiert.
Und nebenbei das Geheimnis ihrer Herkunft gelüftet...
von Mannfred Goldbeck |
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Erbarmungslos
brennt die Sonne auf das öde Land. Felsen, Geröll,
Sand. Hier und da ein vertrockneter Strauch oder ein
gelbes Grasbüschel. Die Hitze füllt die ausholenden
Senken mit flüssiger Luft. In der flirrenden Fläche
schwimmen Schatten, nehmen allmählich Konturen
an. Ein Hengst und zwei Stuten. Mühsam setzen die
Tiere Huf vor Huf. Weit ist der Weg zwischen Weide und
Wasserstelle. Mit jedem Tag ohne Regen wird er weiter,
wird das Gras spärlicher. Es muss schon lange her
sein, seit es das letzte Mal geregnet hat: Scharf zeichnen
sich die Rippen der Pferde unter dem Fell ab. |
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Wilde Pferde bei Garub. Im
Hintergrund die Berge der Großen Randstufe.
Foto: Telané Greyling
Bild
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Die Wilden
Pferde in dem Gebiet um Garub 20 km westlich von Aus
führen ein hartes Leben. Regen fällt wenig
und nicht zuverlässig - oft gerade genug für
Sukkulenten, dornige Sträucher und Gräser.
Meist finden die Pferde genug Nahrung. Aber immer wieder
gibt es in dem Randgebiet der Namibwüste Dürrejahre.
Wie 1991/92 oder 1998/99, als die Pferde hungerten und
schwache Tiere starben. Nach dem öffentlichen Aufschrei,
der sich weit über die Grenzen Namibias hinaus
erhob, wurden teure Fang- bzw. Fütterungsaktionen
gestartet. Beides mit nur mäßigem Erfolg. |
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Zugleich
flammte eine alte Diskussion wieder auf: Soll
man die Pferde dort dulden? Schließlich
liegt ein großer Teil ihres Lebensraumes
im staatlichen Namib Naukluft Park, mit dem die
heimische Flora und Fauna geschützt werden
soll - und nicht diese 'Eindringlinge', die von
domestizierten Pferden abstammen, erst seit 90
Jahren in diesem Gebiet leben und ohne die vom
Menschen geschaffene Wasserstelle bei Garub gar
nicht existieren könnten (siehe
Kasten 'Herkunft').
Einige Naturschützer befürchteten zudem,
dass die Wilden Pferde heimische Pflanzen und
Tiere verdrängen, und wollten sie aus dem
Park entfernen. Auf massiven Druck durch Öffentlichkeit,
Medien und Pferdefreunde im Ministerium wurde
dieses Vorhaben allerdings aufgegeben. Mittlerweile
haben sich die Pferde zu einer Attraktion für
Touristen entwickelt und schaffen damit Einnahmen
und Arbeitsplätze für die Menschen der
Umgebung. |
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Wildes Pferd an der
Tränke von Garub.
Foto: Telané Greyling |
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Störfaktor
in sensibler Umwelt?
Doch die berechtigten Bedenken waren damit keineswegs
beseitigt, die Probleme keineswegs gelöst. Die
Umgebung von Aus gilt als biologischer Hotspot - mit
mehr als 500 Pflanzenarten, von denen einige lokal endemisch
sind, also nur hier vorkommen. Was wäre, wenn die
Pferde einen Störfaktor in ihrer Umwelt darstellen,
der dazu beiträgt, dass weltweit einzigartige Pflanzen
aussterben? Was bedeutet die Anwesenheit der Wilden
Pferde für den Management-Plan des Naturschutzgebietes?
Kann man sie wie Wild behandeln und sie in Jahren der
Dürre einfach ihrem Schicksal überlassen?
Oder greift man ein? Und wenn ja, wie? |
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| Diesen
und weiteren Fragen ist die südafrikanische
Biologin Telané Greyling in ihrer Doktorarbeit
nachgegangen, unterstützt vom namibischen
Ministerium für Umwelt und Tourismus sowie
vom Lodge- und Tourbetrieb Klein-Aus Vista und
dem Unternehmen Nature Investments (t/a Gondwana
Desert Collection). Die Ergebnisse präsentierte
Greyling im November 2005 auf einem Arbeitstreffen
im Cañon Village am Fischfluss Canyon.
Zu den Teilnehmern zählten Vertreter von
Ministerium, Naturschutz, Veterinärwesen,
Tourismus und Medien sowie Wissenschaftler aus
Namibia, Südafrika und Großbritannien. |
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Die Tränke von Garub
mit dem Unterstand für Besucher.
Foto: Telané Greyling
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Auf der Grundlage
ihrer jahrelangen Forschungsarbeit diskutierten die
Experten zunächst das Grundsatzproblem der Pferde
als 'Eindringlinge' im sensiblen Ökosystem der
Namibwüste. Greyling hat jedoch keine Hinweise
darauf finden können, dass die Pferde heimische
Pflanzen oder Tiere verdrängen würden. Im
Gebiet der Pferde, so ihr Befund, gebe es im Großen
und Ganzen die gleichen Arten und eine ähnliche
Anzahl an Individuen pro Art wie in nahe gelegenen Vergleichsgebieten
ohne Pferde. |
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Solides
Management statt Krisenhilfe
In einem zweiten Schritt ging es auf der Tagung
darum, speziell auf die Pferde zugeschnittene Empfehlungen
für einen möglichen Management-Plan des Ministeriums
zu formulieren. Denn natürlich handelt es sich
bei den Wilden Pferden nicht um Wild wie Gemsbock oder
Springbock. Einerseits sind sie zwar keine Haustiere
mehr, sondern Teil der 'freien' Natur und unterliegen
deren Regeln. Der Tod schwacher Tiere in der Dürre
gehört daher zum natürlichen Zyklus. Andererseits
kann sich der Mensch nicht völlig aus der Verantwortung
stehlen. Zäune blockieren im Osten den Zugang zu
natürlichen Wasserstellen und besserer Weide auf
den angrenzenden Farmen (übrigens auch für
Gemsböcke eine Todesfalle). Und in Dürrejahren
mögen die Tiere soweit dezimiert werden, dass der
Gen-Pool leidet und Inzucht ihren Fortbestand gefährdet.
'Ja' zu den Pferden heißt daher auch 'Ja' zur
Hege.
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Bevor man Maßnahmen
erwägt, muss man sich über die Ziele klar
sein, die man damit erreichen will. Auf dem Arbeitstreffen
wurden folgende mögliche Zielsetzungen formuliert:
eine stabile Population der Wilden Pferde gewährleisten,
die Kosten für ihre Hege möglichst niedrig
halten, die Attraktion für den Tourismus besser
nutzen, mehr Wissen über die Tiere sammeln und
die Öffentlichkeit besser informieren. |
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Karte des Gebietes der Wilden
Pferde in der südlichen Namib.
Quelle: Telané Greyling |
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Die Kontrolle
der Population setzt voraus, dass Regen, Weide, Zahl
und Zustand der Pferde regelmäßig beobachtet
werden. Als Orientierungswert für eine stabile
Population einigte man sich auf 130, wobei die Zahl
kurzfristig zwischen 80 und 180 schwanken darf. Solche
Schwankungen gab es auch in der Vergangenheit. In den
Siebziger und Achtziger Jahren wurde die Zahl der Pferde
auf 250 geschätzt, mit Errichtung der Zäune
Ende der Achtziger ging sie stark zurück. Im Juni
1992 wurden 104 Pferde gefangen. 1993 gab es 110, 1997
wieder 149 Pferde, 1999 nur noch 89 und heute wieder
rund 150 Tiere. |
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Empfohlen
wird von der Expertenrunde zudem, in Zeiten der Dürre
in einem angrenzenden Weidegebiet eine Wasserstelle
zu öffnen, damit der Weg zum Wasser verkürzt
wird. Die Pferde haben sich zwar an die Trockenheit
angepasst, indem sie länger und ohne Stress auf
Wasser verzichten können als Hauspferde. In den
heißen Sommermonaten (November bis März)
kommen sie im Schnitt alle 30 Stunden, in den kühleren
Wintermonaten (Mai bis September) alle 72 Stunden zur
Tränke. Aber je länger der Weg zwischen Weide
und Wasser, desto mehr Energie verbrauchen sie. Verschlechtert
sich der Zustand der Pferde weiter, so soll als Zusatzfutter
Luzerne ausgelegt werden. Wichtig sei, das Futter weit
zu verstreuen, um Stress verursachenden Konkurrenzsituationen
und Kämpfen vorzubeugen. |
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Auch für
mögliche Fangaktionen, mit denen die Bestände
reguliert werden könnten, wurden Vorschläge
erarbeitet. So sollten junge Pferde (2 bis 4 Jahre)
und zu gleichen Teilen Stuten und Hengste ausgewählt
werden. Auf diese Weise würden langfristige Störungen
des sozialen Gefüges wie nach der Aktion von 1992
vermieden, als ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht
mehr als 100 Tiere gefangen wurden. |
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Einen wichtigen Stellenwert der Diskussion
nahmen auch die Menschen ein, die in der Umgebung
leben und indirekt von den Pferden profitieren
- indem diese nämlich Touristen anziehen.
Ab Mitte 2006 können Besucher die Tiere
nicht nur am Unterstand an der Tränke bei
Garub beobachten, sondern erhalten im 20 km
entfernten Aus Info Center viele Hintergrundinformationen.
Dort soll auch ein Büchlein zu den Pferden
verkauft werden, das derzeit geplant ist. Das
Center dient als Einnahmequelle für die
Gemeinschaft von Aus und könnte in ferner
Zukunft mit
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Schautafel zu den Wilden
Pferden, die man als Gast im Aus Tourist Information
Centre vorfindet.
Quelle: Gondwana Desert |
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einem Forschungszentrum
zu den Pferden kombiniert werden. Durch die beiden Einrichtungen
könnte man auch das anvisierte vierte Ziel erreichen:
die Öffentlichkeit besser über die Wilden
Pferde der Namib informieren. |
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