Pressemitteilungen 2006Pressemitteilung 08.03.06
 

Pressemitteilung 08.03.06
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  Geheimnisumwitterte Herkunft
Über die Frage, woher die Wilden Pferde eigentlich stammen, ist bis heute viel spekuliert und diskutiert worden. Einig ist man sich nur in einem Punkt: Heimisch sind sie in der Namib nicht. Im Südlichen Afrika hat es ursprünglich keine Pferde gegeben. Erst ab dem 17. Jahrhundert hielten sie Einzug in diese Region - sie wurden von Europäern importiert. Bei den Wilden Pferden der Namib handelt es sich also um Nachkommen domestizierter Pferde, die ähnlich wie die Mustangs Nordamerikas verwildert sind.
 

 
Pferde der Deutschen Schutztruppe bei Aus.
Quelle: Nationalarchiv Namibia
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  Wie aber haben sich domestizierte Pferde in diese Gegend verirrt? Und wie kam es, dass sie verwilderten? Mancher verweist auf einen Frachter mit Pferden und anderen Nutztieren, der Ende des 19. Jahrhunderts etwa 25 km südlich der Oranjemündung gestrandet ist - also rund 200 km von Garub entfernt. Andere führen die Pferdezucht Duwisib von Hansheinrich von Wolf ins Feld - rund 250 km nordöstlich von Garub. Allerdings lag die Farm auch während Abwesenheit und Tod von Wolfs im Ersten Weltkrieg in den Händen eines Farmverwalters. Und den Büchern zufolge sind bis Ende der Dreißiger Jahre keine Pferde verloren gegangen, während bereits in den Zwanziger Jahren über die Wilden Pferde bei Garub berichtet wird. Gegen beide Theorien spricht zudem, dass Pferde nicht über weite Strecken wandern, sondern in der Regel in dem Gebiet bleiben, das sie kennen.  

  Das legt den Schluss nahe, dass die Wilden Pferde von Tieren abstammen, die in der Nähe von Garub und Aus verloren gingen. Allerdings können auch einzelne entlaufene Pferde kaum den Grundstock zu der heute bestehenden Herde gelegt haben. Zahl der Pferde und Vielfalt der Merkmale lassen vielmehr auf eine größere Ursprungsgruppe schließen.  

Die deutsche Schutztruppe, so eine andere Theorie, habe während des Ersten Weltkriegs auf ihrem Rückzug vor den südafrikanischen Truppen Pferde zurückgelassen. In der Tat wurden bei Aus wohl bis zu 2.000 Pferde stationiert. Allerdings ist von einem weitgehend geordneten Rückzug die Rede. Zugleich findet sich in Berichten ein weiterer Hinweis auf die Anwesenheit vieler Pferde: Im März 1915 hatten 10.000 südafrikanische Soldaten mit  
Pferdezüchter (v.l.n.r.): Emil Kreplin; Hansheinrich von Wolf.
Quelle: Nationalarchiv Namibia
  6.000 Tieren bei Garub ihr Lager aufgeschlagen. Dort gab es ein Bohrloch, aus dem die Dampfloks der nahe gelegenen Eisenbahnlinie mit Wasser versorgt worden waren; es wurde zwar von den Deutschen gesprengt, aber rasch wiederhergestellt. Man führe sich das vor Augen: Rund 8.000 Pferde in einem Umkreis von knapp 30 km am Rande der Wüste!  

  Aber es kommt noch besser. In einem später verfassten Bericht über die Kriegsereignisse bei Aus heißt es nämlich:
 

"Am Morgen des 27. 3. flog der unermüdliche Fliegerleutnant Fiedler nach Garub und warf mit gutem Erfolg Bomben in das feindliche Lager und unter etwa 1700 weidende Pferde der Kavallerie und richtete eine große Verwirrung an" (Hans von Oelhafen: Der Feldzug in Südwest 1914/15, Berlin 1923, S. 117).

Die südafrikanischen Verbände standen kurz vor der Offensive und sollten den zurückweichenden deutschen Soldaten hart auf den Fersen bleiben, so dass sie in der Eile wohl darauf verzichteten, alle versprengten Tiere einzufangen.
 
Luftaufnahme nach einem Bombenabwurf des deutschen Piloten Fiedler über einem Lager der südafrikanischen Armee westlich von Aus. Quelle: Nationalarchiv Namibia

  Der namibische Hobby-Historiker Walter Rusch stieß auf ein weiteres Puzzlestück, das das Bild vervollständigt: In Fotoalben von Emil Kreplin, 1909 bis 1914 Bürgermeister von Lüderitz, fand er Aufnahmen einer Pferdezucht auf Kubub 30 km südlich von Aus. Dort ließ Kreplin Arbeitstiere für den Bergbau züchten - und Rennpferde für das aufblühende Lüderitz. Zuchthengste von Kubub und Duwisib weisen sehr starke Ähnlichkeiten auf. Auf den Fotos der Kreplin-Zucht erkennt man zudem Pferde mit Merkmalen, die sich auch 90 Jahre später noch bei den Wilden Pferden finden (siehe Grafik). Im Wesentlichen handelt es sich um Charakteristika von Kap-Boerperd, Hackney und Trakehner.  

  Biologisch und historisch fundiert, lassen sich damit mehrere Theorien zusammenführen. Der Kern der Herde dürfte aus Pferden der Südafrikaner, der Schutztruppe und der Kreplin-Zucht bestehen (mit Verbindung zu Duwisib). In den Wirren des Krieges sammelten sich die versprengten oder zurückgelassenen Tiere in den Bergen um Aus, wo sich viele natürliche Wasserstellen finden; die heute bestehenden Zäune gab es damals noch nicht, so dass sie sich frei bewegen konnten. Diese Gruppen mögen während der Depression und angesichts des Siegeszuges des Automobils später Zulauf durch herrenlos gewordene Tiere erhalten haben.  

 
Übereinstimmung der Merkmale. Zwischen den Fotos der Zucht Kreplins (Quelle: Privatsammlung Walter Rusch, Windhoek) und der Wilden Pferde (Telané Greyling) liegen 90 Jahre.
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Dass man sie nicht wieder einfing, haben die Wilden Pferde wohl auch den Diamantenfunden an der Küste zu verdanken. Ab 1908 wurden von der deutschen Kolonialverwaltung Sperrgebiete eingerichtet, die sich rund 100 km ins Inland erstreckten und streng kontrolliert wurden. Das Gebiet um Garub fiel in das Sperrgebiet II. Niemand hatte Zugang, auch Jäger oder Pferdefänger nicht. Garub mit seinem Bohrloch und der später errichteten Tränke wurde zu ihrem Lebensmittelpunkt. 90 Jahre lang haben sich die verwilderten Pferde fast isoliert entwickeln können, so

 
Die Tränke bei Garub.
Foto: Telané Greyling
  dass man mittlerweile von einer eigenen Pferderasse sprechen kann - den 'Namibs'.
 

  1986 wurde das Sperrgebiet II freigegeben und dem staatlichen Namib Naukluft Park angegliedert. Nach der Unabhängigkeit Namibias 1990 nahm der Tourismus stark zu. Um Besuchern die Möglichkeit zu geben, die Wilden Pferde zu beobachten, errichtete man an der Tränke bei Garub einen Unterstand.  

- Ein ähnlicher Beitrag zu diesem Thema ist in der Gondwana News
- 2006 erschienen (zu beziehen bei Gondwana Desert Collection,
- Kontakt-Info s.u.).


 

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