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Symbol
grenzenloser Freiheit
Die Wilden Pferde der Namib ziehen nicht nur Jahr für
Jahr Tausende Touristen an. Sie sorgen auch immer wieder
für Schlagzeilen und Hilfsaktionen. Wie 1991/92
oder 1998/99, als die Pferde aufgrund der Dürre
hungerten und zu Dutzenden starben. Kaum erscheinen
Fotos von den abgemagerten Tieren, plündern Großmütter
ihren Sparstrumpf, schlachten Mädchen ihr Sparschwein,
damit die Pferde gefüttert oder gefangen und auf
Farmen gebracht werden können. Gespendet wird mit
einer Bereitschaft, von der manche Hilfsorganisation
für notleidende Menschen nur träumen kann.
Warum berührt das Schicksal der Wilden Pferde den
Menschen aus tiefstem Herzen? Was begeistert uns an
diesen Pferden? |
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| Die
Antwort dürfte nur zum Teil im Geheimnis
um die Herkunft zu suchen sein. Viel mehr fasziniert
uns nämlich, dass sich die Pferde die Freiheit
erkämpft haben, ihr eigenes Leben zu leben.
Dass sie aus der vom Menschen zugewiesenen Rolle
als Zuchthengst, Turnierpferd oder Freizeitkamerad
ausgebrochen sind. Dass sie ihre eigenen Regeln
natürlichen Verhaltens und Zusammenlebens
wieder gefunden haben. Welcher Mensch träumt
nicht davon, sich von den Zwängen der Zivilisation
zu befreien? |
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Seltener Anblick: kämpfende Hengste.
Foto: Klein-Aus Vista
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Uns fasziniert
außerdem der Raum, den sich die Wilden Pferde
genommen haben: Weite der Wüste statt Koppel oder
Stall. Welcher Stadtbewohner sehnt sich nicht nach einem
Ort, an dem er allein ist und Luft zum Atmen hat? -
Und uns fasziniert, dass die Wilden Pferde sich eine
fremde Welt erobert haben. Wie Tom Hanks als moderner
Robinson Crusoe im Kinofilm "Castaway" hinausgeworfen
aus dem behüteten Raum der Zivilisation, haben
sie gelernt, den harten Bedingungen ihrer neuen Umgebung
zu trotzen und zu überleben. Allerdings mit dem
Unterschied, dass sie sich auf ihrer 'Insel' sichtlich
wohl fühlen. |
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| Freiheit,
Raum, Natur - das sind Dinge, die der Mensch im
Zuge der Zivilisation verloren hat und nach denen
er sich aus tiefstem Herzen sehnt. Nicht umsonst
findet man diese Elemente oft in der Reklame für
Autos oder Zigaretten. Freiheit, Raum und Natur
sind auch der Grund, warum seit der Industrialisierung
immer wieder Deutsche nach Namibia auswandern
und warum Jahr für Jahr Urlauber aus Europa
das Land besuchen. |
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Foto: Klein-Aus Vista |
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Damit besitzen
die Wilden Pferde etwas, das uns nicht nur fasziniert,
sondern um das wir sie sogar beneiden. |
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Der Neid schlägt
allerdings in Mitleid um, sobald Freiheit und Natur
ihren Preis fordern, sprich: die Pferde während
einer Dürre hungern oder gar sterben. Der Drang
des Menschen einzugreifen mag ein Echo seines schlechten
Gewissens gegenüber der Kreatur sein, die er im
Zuge seines Programms, sich die Erde untertan zu machen,
in Reservate oder Zoos gepfercht hat. Bezüglich
der Wilden Pferde kommt hinzu, dass sie oft als Haustiere
angesehen werden, für die der Mensch eine verstärkte
Fürsorgepflicht empfindet. Doch gerade das sind
diese Pferde nicht mehr. Sie sind Teil der nicht menschlich
kontrollierten Natur und unterliegen den Regeln eben
dieser Natur. Der Tod schwacher Tiere während einer
Dürreperiode gehört daher zum natürlichen
Zyklus. |
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Das bedeutet nicht, die Pferde sich selbst zu
überlassen. Aber es ist Zeit, den Mythos
der Pferde durch ein realistisches Bild zu ersetzen.
Und darüber nachzudenken, ob das magere Pferd,
das wir bedauern, nicht doch glücklicher
ist als das stattliche Ross im dunklen Stall.
Oder als wir selbst in unserer Zweizimmerwohnung
im fünften Stock. |
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Beim Sandbad. Foto:
Telané Greyling
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