Pressemitteilungen 2005Pressemitteilung 13.03.05
  Eco Awards Namibia: Umweltsiegel für Unterkünfte - 13.03.05

Sehr geehrter Botschafter, sehr geehrtes Vorstandsmitglied des Namibia Tourism Board, sehr geehrter NTB-Geschäftsführer, sehr geehrte NTB-Managerin fürs Zentrale Europa,
verehrte Damen und Herren der Reisebranche und der Medien,

Bevor ich beginne, darf ich Sie bitten, sich einmal umzuschauen. Sehen Sie hier einen Baum? Eine Wiese? Einen Hirsch? Wäre gerade Sommer, könnten wir hier vielleicht an einem Hang sitzen, im Schatten der Bäume, umgeben vom Gezwitscher der Vögel, und Ihre Finger spielen mit Grashalmen, während Sie mir zuhören. Statt dessen sitzen wir in einem Kasten aus Beton. Auch draußen: Überall Straßen aus Asphalt, Gehwege aus Steinplatten, Hochhäuser aus Stahl und Glas und Beton. Die reinste Betonwüste. Ergebnis eines rücksichtslosen Umgangs mit der Natur. Ihre und meine Vorfahren, Ihre Großeltern und Eltern, und auch Sie haben die ursprüngliche Natur, die sich einst hier ausbreitete - die Bäume, die Wiesen, die Hirsche - systematisch verdrängt, verbaut, vernichtet. Genau deshalb verbringen Sie Ihren Urlaub ja auch gerne in Ländern wie Namibia. Denn dort gibt es noch kaum berührte Natur im Überfluss - mit Kameldornbäumen, mit riesigen Flächen voller Gräser, und mit Hirschen, die wir Kudus nennen.

Damit das in Namibia auch so bleibt, damit ich und meine Kinder und Kindeskinder aus Namibia keine Betonwüste machen, damit Sie und Ihre Kinder und Kindeskinder uns besuchen und bei uns Natur tanken können - aus diesem Grund helfen Sie uns dabei, rechtzeitig ein starkes Bewusstsein für unsere Umwelt zu entwickeln und unsere natürlichen Ressourcen schonend zu nutzen. Auch wenn es Ihnen nicht bewusst sein sollte: Sie helfen uns, und zwar auf mehrfache Weise: Durch das abschreckende Beispiel, durch Ihre Erfahrungen im Naturschutz, durch Ihren Urlaub bei uns und - durch Ihre Steuergelder. Denn Ihre Regierung beteiligt sich an dem Programm der Europäischen Union, das uns bei der Entwicklung unseres Landes und beim Schutz unserer Natur mit Rat und Tat - und Geld - unterstützt.

Dafür, und ich spreche in tiefstem Ernst, möchte ich Ihnen und Ihrer Regierung auch im Namen meines Landes von ganzem Herzen danken. Und ich fühle mich geradezu verpflichtet, Ihnen kurz das jüngste Projekt vorzustellen, das wir mit Ihrer Unterstützung ins Leben gerufen haben: Den Eco Award Namibia. Der Eco Award Namibia ist eine Auszeichnung für Unterkünfte, die ihren Gastbetrieb nach umweltfreundlichen Gesichtspunkten planen und führen. Als Zeichen dient eine Blume, eine Wüstenblume. Sie symbolisiert das Zusammenspiel von Wasser, Erde und Sonne, das durch natürliches Wachstum in die Zukunft weist.

Ähnlich wie das Gütesiegel für Unterkünfte mit einem Stern bis fünf Sternen, so besteht der Eco Award aus dem Umweltsiegel mit einer Blume bis fünf Blumen. Ähnlich wie bei der Verleihung der Sterne besichtigt ein Inspektor den Betrieb nach festgelegten Kriterien und eine Jury entscheidet darüber, wieviel Blumen zugestanden werden. Und ähnlich wie die Plakette mit den Sternen, so können Unterkünfte das Emblem mit den Blumen an ihren Eingang hängen, in ihren Broschüren abbilden und auf ihre Website stellen.

Nun mögen Skeptiker einwenden, es handle sich um einen reinen Marketing-Gag. Die Skepsis ist mehr als berechtigt in einer Zeit, in der Werbe- und PR-Agenturen auch großen Umweltsündern das Image einer Naturschutzorganisation verleihen - denken Sie nur an entsprechende Kampagnen von Ölfirmen oder Autoherstellern. Organisationen oder Projekte wie die unseren, denen es nicht nur um den Schein, sondern um das Wesen der Sache geht, müssen sich daher das Vertrauen in harter Überzeugungsarbeit erwerben.

Das möchte ich an dieser Stelle tun. Ich möchte Sie davon überzeugen, dass unsere Regierung und unsere Reisebranche es ernst meinen. Wir haben mit Ihrer Unterstützung ein solides Konzept entwickelt, das gut durchdacht ist: praxis-orientiert, kosten-effektiv und auf unsere Verhältnisse zugeschnitten.

Wie Sie bereits mehrfach gehört haben: Namibia ist ein Land der Wüste, mit empfindlichen Ökosystemen und relativ wenig Wasser. Dieses Land wurde und wird zum Teil noch immer durch extensive Landwirtschaft über seine Tragkraft hinaus belastet - das Konzept dieser umwelt-schädigenden Landwirtschaft wurde übrigens von den Siedlern, also meinen und Ihren Vorfahren, aus Europa importiert. Das umwelt-schädigende Wirtschaften lag und liegt nicht darin begründet, dass die Farmer besonders gedankenlos oder rücksichtslos wären. Ursache war und ist, dass das Wirtschaftssystem den Raubbau an der Natur nicht bestraft, sondern belohnt. Deutschland hat sich zu einer Wirtschaftsmacht entwickelt - auch auf Kosten der Natur.

Seit der Unabhängigkeit Namibias 1990 besuchen mehr und mehr Touristen unser Land. Viele Farmer verkauften ihre Farmen an Tourismusunternehmen, die Lodges aufbauten, oder gründeten selbst einen Gastbetrieb. Die Folge: Mehr und mehr Land wird anstatt für Viehwirtschaft nun für den Tourismus genutzt. Durch den Tourismus erhält die Natur bei uns einen wirtschaftlichen Wert. Doch das allein ist noch keine Garantie dafür, dass das Land nun auch umweltschonend genutzt wird. Denn nach wie vor werden Betriebe, die der Umwelt langfristige Schäden zufügen, vom Wirtschaftssystem mit kurzfristigen Profiten belohnt. Wer seine Zimmerzahl verdoppelt, obwohl der Grundwasserspiegel im 5 Kilometer entfernten Bohrloch deutlich sinkt und die Bäume dort absterben, erhöht zumindest kurzfristig seine Einnahmen. Wer seinen nicht zu verbrennenden Müll einfach irgendwo auf seinem Gelände vergräbt anstatt ihn in den nächst gelegenen Ort zu transportieren, wo er ordnungsgemäß entsorgt wird, spart zumindest kurzfristig Kosten.

Viele wissen auch nicht oder denken nicht darüber nach, wie sie ihren Betrieb mit einfachen Dingen umweltfreundlicher gestalten können. Nehmen Sie zum Beispiel die Toilettenspülung. Man muss nicht sofort alle Spülkästen herausreißen und durch neue, mit Sparknopf ausgestattete ersetzen; es reicht zunächst auch, die alten Kästen mit ein paar Steinen aufzufüllen, um den Verbrauch pro Spülung zu verringern - und Steine haben wir überall in Namibia zum Glück wirklich mehr als genug.

Der Eco Award Namibia setzt an beiden Punkten an: Belohnung und Aufklärung. Mit dem Umweltsiegel der Blumen belohnt er Betriebe, die möglichst umweltschonend geführt werden. Dabei setzen wir natürlich auf Ihre Hilfe: Machen Sie den Eco Award bekannt; und unterstützen sie ihn, indem Sie künftig bei einer Unterkunft nicht nur auf Preis und Leistung, sondern auch auf das Umweltsiegel achten.

Mit einem umfassenden Katalog an Kriterien klärt der Eco Award Betriebe darüber auf, wie sie im Einzelnen die Umwelt noch mehr schonen können. Die Kriterien haben wir uns übrigens nicht selbst aus den Fingern gesogen, sondern sorgfältig recherchiert. Als Vorlage dienten Öko-Siegel anderer Länder, die sie bereits mit Erfolg betreiben. Natürlich haben wir sie ergänzt und auf unsere Verhältnisse zugeschnitten. Der Katalog umfasst mehrere Seiten. Ich gehe nicht ins Detail, sondern gebe Ihnen nur einen kurzen Überblick.

Die Hauptkategorien sind Wasser, Abwasser, Müll, Energie, Umwelt und Entwicklung lokaler Gemeinschaften. Bei der Kategorie Wasser geht es um Maßnahmen, den Verbrauch so gering zu halten wie möglich; die Kategorie Abwasser umfasst Möglichkeiten zur Aufbereitung und Wiederverwendung sowie zur Verhinderung von Schäden für die Umwelt; auch das Thema Müll dreht sich um Recycling und sichere Entsorgung. Im Bereich Energie liegt der Schwerpunkt auf erneuerbaren Quellen wie Solarmodulen - im Gegensatz zu fossilen Trägern wie dem Diesel, mit dem die üblichen Stromgeneratoren betrieben werden. Unter Umwelt werden Maßnahmen zum Erhalt der Natur oder auch Hege des Wildes gelistet. Und wer zur Entwicklung lokaler Gemeinschaften beiträgt, sammelt ebenfalls Punkte; dies war uns wichtig, weil Umweltschutz nicht möglich ist ohne die Unterstützung der Mitarbeiter und ihrer Familien oder auch der Dörfer in der Umgebung.

Die Teilnahme am Eco Award Namibia ist freiwillig. Wer sich bewirbt, wird von einem Inspektor besucht und anhand der festgelegten Kriterien kritisch bewertet. Eine Jury sichtet den Bericht und entscheidet dann über die Punktzahl. Schon für die erste Blume liegt die Messlatte sehr hoch: Man braucht 50 Prozent der möglichen Gesamtpunktzahl. Bei 60 Prozent gibt es zwei Blumen, bei 70 Prozent drei, bei 80 Prozent vier und ab 90 Prozent fünf Blumen.

Der Startschuss für die Bewerbung um den ersten Eco Award fiel Ende November - genau zum Ende der Hauptsaison im Reisegeschäft, wenn sich die ganze Reisebranche erschöpft zurücklehnt oder in die namibischen Sommerferien geht (im Dezember und Januar). Blieben also nur wenige Wochen für die Bewerbung und noch weniger Zeit für die Inspektion, zumal die teilnehmenden Unterkünfte zum Teil mehr als 1.000 Kilometer auseinander lagen. Angesichts all dieser Umstände sind wir mehr als zufrieden mit der ersten Beteiligung an den Eco Awards.

Und nun möchten Sie bestimmt gerne wissen, wer die allerersten Blumen erhalten hat. Es sind zwei Unterkünfte: die Sossusvlei Lodge am Rande der Namib im Südwesten Namibias und die Eningu Clayhouse Lodge in der Nähe des Internationalen Flughafens östlich von Windhoek.

Bedenken Sie, was für ein Mut dazu gehört, sich in so kurzer Zeit und ohne Möglichkeit der Vorbereitung zur Inspektion anzumelden, und bedenken Sie, wie hoch die Messlatte lag. Und dennoch erhielt die Sossusvlei Lodge auf Anhieb eine Blume. Mit knapp unter 60 Prozent der möglichen Gesamtpunkte hat sie die zweite Blume nur haarscharf verpasst. Die Lodge liegt an der Zufahrt zum berühmten Sossusvlei mit den höchsten Dünen der Welt, die dem Tsauchab Trockenfluss den Weg zum Meer versperren - so dass sich die Pfanne in den seltenen guten Regenjahren in einen See verwandelt.

Die Eningu Clayhouse Lodge erzielte sogar mehr als 70 Prozent der möglichen Gesamtpunkte und erhielt dafür drei Blumen. Sie eignet sich durch ihre Lage in der Buschsavanne in der Nähe des Flughafens hervorragend als Station nach der Ankunft oder vor dem Abflug. Herzlichen Glückwunsch an die Eningu Clayhouse Lodge und an die Sossusvlei Lodge!

Meine Damen und Herren, diese beiden Auszeichnungen markieren lediglich den Auftakt des Eco Award. Jeden Monat werden weitere Unterkünfte inspiziert, und die Sossusvlei Lodge hat Blut geleckt und möchte sich gerne ihre zweite Blume pflücken. Dennoch braucht es auch in Namibia noch seine Zeit, bis die Blumen in aller Munde sind und das Umweltsiegel richtig etabliert ist. Einen großen Schritt dazu unternehmen wir in zwei Monaten auf der Namibia Holiday and Travel Expo, unserer Reisemesse in Windhoek. Im Rahmen dieser Messe veranstaltet unser Verband der Unterkünfte, die Hospitality Association of Namibia, ihren Gala Abend. An diesem Abend werden wir den Eco Award nochmals vorstellen und die Blumen feierlich überreichen - bis dahin sind es sicherlich ganze Blumensträuße. Wir wollen übrigens keinesfalls bei den Unterkünften Halt machen. Warum nicht später einmal auch einen Eco Award schaffen für Reiseveranstalter und für Autovermieter?

Ich hoffe, Sie von dem Konzept des Eco Award Namibia überzeugt zu haben und davon, dass wir es ernst meinen. Wenn dem so ist, tragen Sie bitte nach Kräften dazu bei, dass der Eco Award Namibia Erfolg hat. Und bitte, überzeugen Sie sich gerne vor Ort davon, dass diese Initiative Früchte trägt; schließlich kommt es nicht so häufig vor, dass seine Steuergelder sinnvoll verwendet werden und dass man das Ergebnis mit Händen greifen kann. Naja, das gilt zumindest für unsere Bäume und Grasebenen; unsere Hirsche lassen sich nämlich nicht so leicht greifen (Fotos Kudu, Springbock, Gemsbock). Wie Sie sehen, haben wir übrigens verschiedene Sorten davon.

Bei der Planung Ihrer Inspektionsreise durch Namibia helfen wir Ihnen gerne. Sie finden uns am Namibia-Stand, hier in dieser Betonwüste, Halle 20, Stand 114.
 
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