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Gondwana:
Drei Säulen des Erfolgs - 13.03.05
Sehr geehrter Botschafter, sehr geehrtes Vorstandsmitglied
des Namibia Tourism Board, sehr geehrter NTB-Geschäftsführer,
sehr geehrte NTB-Managerin fürs Zentrale Europa,
verehrte Damen und Herren der Reisebranche und der Medien,
Dank meiner Vorredner haben Sie jetzt bereits
einen recht genauen Eindruck von der jungen Geschichte
Namibias und von den größten Herausforderungen,
vor denen wir Namibier stehen - die Entwicklung unseres
Landes voranzutreiben, Arbeits- und Ausbildungsplätze
zu schaffen, die Lebensqualität aller Namibier
zu verbessern. Gleichzeitig müssen wir mit unseren
natürlichen Ressourcen sorgsam umgehen, sie nachhaltig
nutzen. Große Hoffnungen ruhen dabei auf dem Tourismus.
Mit einem Anteil von rund 6 Prozent am Bruttosozialprodukt
liegt er zwar weit hinter den beiden führenden
Wirtschaftssektoren, dem Bergbau und der Fischindustrie.
Aber dem Tourismus wird das größte Wachstumspotenzial
zugestanden. Und in kaum einem anderen Sektor lassen
sich Wachstum, Entwicklung, Einkommen und Ausbildung
so gut mit nachhaltiger Nutzung natürlicher Ressourcen
vereinbaren.
Lebendes Beispiel dafür ist die Gondwana Desert
Collection, die ich Ihnen in kurzen Zügen vorstelle.
In unserem Konzept - das wir übrigens von Anfang
an verfolgen, also seit 1995 - finden sich die genannten
Faktoren wieder:
Natur - Wachstum und Entwicklung,
das fasse ich im Stichwort Finanzen
zusammen - und Arbeitsplätze, Ausbildung, Lebensqualität,
hier kurz Menschen genannt. Auf diesen drei Säulen
ruht unser Unternehmen: Natur - Finanzen - Menschen.
Die Natur Namibias besteht
zum größten Teil aus Wüste. Genauer
gesagt: Aus vier Wüsten. Im Westen liegt die Namib,
der Namibia seinen Namen verdankt; im Osten die Kalahari
mit ihren roten Dünenketten; dazwischen die Nama
Karoo; und im Südwesten die Sukkulenten Karoo.
Man unterscheidet sie hauptsächlich aufgrund des
Regenfalls. Die Kalahari erhält von Nordosten her
Sommerregen (von Oktober bis April); die Nama Karoo
bekommt nur die äußersten Ausläufer
davon ab; in der Sukkulenten Karoo fällt der Regen
im Winter (von Mai bis September); und die Namib geht
praktisch leer aus, bis auf die Läufe der Trockenflüsse,
die nur bei gutem Regen im Auffanggebiet Wasser führen,
und den Küstenstreifen, der an einigen Tagen nachts
durch Nebel mit Feuchtigkeit versorgt wird.
Und dennoch gilt: Die Wüsten leben! Überall
haben sich Pflanzen und Tiere auf einzigartige Weise
an die harten Bedingungen angepasst, so dass es viele
Arten nur hier gibt und nirgendwo sonst auf der Welt.
Die Sukkulenten Karoo ist übrigens sogar die artenreichste
Winterregen-Wüste der Welt.
Auch die Menschen, die die Wüstengebiete zuerst
bewohnt haben, die Völker der San (Buschleute),
haben sich angepasst: Sie sind umher gezogen, dem Wild
hinterher, und haben die kargen Ressourcen des Landes
auf nachhaltige Weise genutzt. Das änderte sich
schlagartig mit Ankunft der Europäer: Jäger
rotteten im Süden Namibias viele Tiere aus, darunter
Löwen, Flusspferde, Elefanten und Giraffen; Siedler
verfolgten kleinere Raubtiere wie Hyäne oder Schakal,
bis auch sie vom Erdboden verschwunden waren. Die Siedler
betrieben Viehwirtschaft, mit Ziegen, Schafen und Rindern,
obwohl das Land dafür überhaupt nicht geeignet
war. Die Folgen dieser nicht nachhaltigen Nutzung: Überweidung,
Verbuschung, Ausdehnung der Wüsten.
Seit 1995 kaufen wir im Süden Namibias Farmland
auf, stellen die Viehwirtschaft ein, bauen die Zäune
ab und richten wildgerechte Wasserstellen ein, damit
das Wild wieder ungehindert umherziehen kann und Wasser
findet. Unser Naturschutzgebiet am Fischfluss Canyon,
der Gondwana Cañon Park, umfasst mittlerweile
1.120 Quadratkilometer - ein Viertel größer
als die Fläche Berlins. Wir haben Wild gekauft
und ausgesetzt, das früher dort heimisch war, wie
Kuhantilopen, Spießböcke (Gemsböcke)
und sogar Giraffen. In regelmäßigen Wildzählungen
werden die Bestände erfasst und kontrolliert -
wichtig auch für die Wildhege durch unseren ausgebildeten
Parkmanager.
Der Gondwana Cañon Park liegt im Wüstensystem
der Nama Karoo, mit typischen Pflanzen wie dem Köcherbaum.
Seit 2004 haben wir zwei weitere Parks errichtet, den
Gondwana Kalahari Park und den Gondwana Namib Park mit
jeweils 100 Quadratkilometern. Als Partner schloss sich
uns außerdem der Gondwana Sperrgebiet Rand Park
an, der 510 Quadratkilometer groß ist und zum
größten Teil im Winterregen-Gebiet der Sukkulenten
Karoo liegt. Namibia-Urlauber, die auf ihrer Rundfahrt
durch den Süden Namibias in unseren Parks Station
machen, lernen also alle vier Wüstensysteme kennen.
Damit sind wir bei den Finanzen.
In allen vier Parks der Gondwana Desert Collection bieten
wir Unterkünfte für jeden Geldbeutel und Geschmack.
Unsere Gäste können auf markierten Wegen wandern,
Rundfahrten mitmachen und zum Teil auch in Begleitung
eines Rittmeisters reiten. Für den Gastbetrieb
werden nicht mehr als 5 Prozent des Parks genutzt -
darauf hat vor allem Dr. Chris Brown geachtet. Dr. Brown
ist Direktor der Namibia Nature Foundation und in unserem
Vorstand für den Naturschutz zuständig. Wasser
ist übrigens in jedem Park weit mehr vorhanden
als benötigt wird.
Die Überschüsse, die wir mit dem Tourismus
erwirtschaften, verwenden wir zum Teil für Maßnahmen
des Naturschutzes und der Wildhege. Zum Teil investieren
wir sie auch in neue Anlagen und Einrichtungen. Ein
Beispiel ist das Selbstversorgungs-Zentrum im Gondwana
Cañon Park. Das ist ein kleiner Farmbetrieb,
auf verschwindend kleiner Fläche, der die Unterkünfte
mit Frischprodukten versorgt - mit Obst, Gemüse
und Kräutern; mit Eiern; mit Fleisch, Wurst, Schinken
und Speck; mit Joghurt, Quark und Käse. Ob Sie
es glauben oder nicht: Unsere Käserei produziert
sogar Mozzarella. Der Betrieb deckt 70 Prozent unseres
Bedarfs. Was vorher aus Südafrika importiert wurde,
kommt nun frisch auf den Tisch. Und die Küchenabfälle
werden als Schweinefutter und Kompost wieder verwertet.
Unsere Investitionen finden Anerkennung. Im vergangenen
Jahr sind wir in Namibia als einziges Tourismus-Unternehmen
mit dem begehrten Titel 'Investor of the Year' ausgezeichnet
worden.
Viel investieren wir auch in unsere Mitarbeiter, sprich:
die Menschen. Selbst 15 Jahre
nach dem offiziellen Ende der Apartheid leidet Namibia
noch unter den Folgen der Benachteiligung: Viele Namibier
haben keine solide Schulbildung, geschweige denn eine
fundierte Ausbildung. Schätzungen zufolge ist mehr
als jeder Dritte ohne geregelte Arbeit; viele Namibier
wandern in die Städte ab, wo sie oft vergeblich
auf eine Stelle hoffen. Die Gondwana Desert Collection
leistet ihren Beitrag zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit
und Landflucht. In den Parks, also auf dem Lande, werden
Wildheger gebraucht, Gastbetreuer, Fahrer, Barleute,
Kellner, Zimmerpersonal. Allein durch das Selbstversorgungs-Zentrum
wurden 10 weitere Arbeitsplätze geschaffen. Auf
dem Gebiet des Gondwana Cañon Parks sind heute
mehr als 100 Menschen beschäftigt - statt der 5
oder 6 Ziegenhirten vor zehn Jahren. Die Zahl mag hier
in Berlin lächerlich klingen, bedeutet im Süden
Namibias jedoch sehr viel.
Hinzu kommen Gehalt und Aufstiegschancen. Ein Kellner
verdient bei uns mindestens sechsmal soviel wie ein
Ziegenhirt und kann davon nicht nur seine Familie ernähren,
sondern auch seine Kinder zur Schule schicken. Und unsere
Mitarbeiter haben die Möglichkeit, sich im Rahmen
unseres Förderungsprogramms weiter schulen und
ausbilden zu lassen. Wir bieten Englisch- und Deutschkurse
an, weil noch immer mehr als 60 Prozent unserer Gäste
aus den deutschsprachigen Ländern stammen. Wir
schicken unsere Touristenführer auf Fortbildungskurse.
Unser Manager des Selbstversorgungs-Zentrums fliegt
im kommenden Monat nach Holland, wo er in einem vierwöchigen
Lehrgang in die tieferen Geheimnisse der Käseherstellung
eingeweiht wird.
Bei der Förderung ihrer Mitarbeiter achtet die
Gondwana Desert Collection vor allem auf Frauen, die
ja auch in Ländern wie Deutschland noch beruflich
benachteiligt sind, und auf diejenigen, die bei uns
in Namibia aufgrund der Apartheid und ihrer noch immer
spürbaren Folgen schlechtere Startchancen hatten
und haben als andere. Damit unternehmen wir konkrete
Schritte auf dem Weg, den die Regierung in ihrer so
genannten Politik des 'Broad-based Black Economic Empowerment'
vorgezeichnet hat, auf Deutsch: Die Förderung bisher
benachteiligter Namibier auf breiter Basis. Für
unsere konsequente Personalpolitik erhielten wir im
vergangenen Jahr beim 'Affirmative Action Award' einen
ersten Preis - wiederum als einziges Unternehmen der
Reisebranche.
Die Förderung bislang benachteiligter Namibier
erstreckt sich bis in die Spitze unseres Unternehmens.
Dazu dient das so genannte Job Shadowing Programm. Erste
Kandidatin ist meine Persönliche Assistentin Anna
Geraldo, die mich wie mein eigener Schatten auf allen
Geschäftstreffen begleitet und der ich in allen
Belangen meiner Geschäftsführung vollen Einblick
gewähre. Nur so können wir langfristig auch
in den Führungsetagen die Folgen der Apartheid
beseitigen.
Doch auch das kann noch nicht das Ende der Förderung
sein. Ein Manager ist Angestellter, aber kein Eigentümer.
Die Gondwana Desert Collection denkt daher auch über
Wege der Beteiligung am Unternehmen nach. Möglich
wäre etwa, dass Mitarbeiter zu sehr günstigen
Darlehen Anteile erwerben. Einen Schritt weiter sind
wir bereits auf der 5. Ebene der Förderung. Gemeinsam
mit unserem Partner vom Gondwana Sperrgebiet Rand Park
unterstützen wir die Gemeinschaft des Ortes Aus
im Südwesten Namibias dabei, ein Informationszentrum
für Touristen zu errichten. Das Zentrum wird eingebunden
in die Route durch den Süden, die wir auf mehrfache
Weise bekannt machen und vermarkten.
Sie sehen, meine Damen und Herren, dass alle Säulen
nötig sind, um den Erfolg zu tragen. Ohne die Natur
keine Touristen. Ohne Touristen kein Naturschutz und
keine Arbeitsplätze. Oder im größeren
Maßstab: Ohne Förderungsprogramme keine zufriedenen
Menschen, ohne zufriedene Menschen kein sozialer Friede,
ohne sozialen Frieden kein attraktives Ziel für
Urlauber.
So tragen wir von der Gondwana Desert Collection dazu
bei, Namibia zu einem attraktiveren Urlaubsziel zu machen.
Denn trotz mancher negativer Schlagzeile vertrauen wir
in die Zukunft unseres Landes, in unsere Wirtschaft
und in unseren künftigen Präsidenten. Wir
vertrauen außerdem darauf, dass der Tourismus
zum Aufbau unseres Landes beiträgt - zu Wachstum
und Entwicklung, zu mehr Arbeitsplätzen, zu besserer
Ausbildung und zu höherer Lebensqualität für
alle Namibier. Und natürlich zum Erhalt, wenn nicht
gar zum erweiterten Schutz unserer herrlichen Natur.
Und wir hoffen, dass noch mehr Touristen unsere Naturschutzgebiete
besuchen, um die kaum berührte Natur zu genießen
und die vier Wüsten kennenzulernen - und damit
ganz nebenbei zum Erhalt dieser Natur beitragen und
den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe leisten.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
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