Pressemitteilungen 2005Pressemitteilung 14.09.05
 

Pressemitteilung 14.09.05
von: Bush Telegraph (Kontakt s.u.)
für: Gondwana Desert Collection
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- 1 Text (Nachricht), 5 Illustrationen
- Intro: 40 Worte / 290 Zeichen
- Text: 1.230 Worte / 8.350 Zeichen

 

  Wild fühlt sich am Canyon wohl
Intro: Im Gondwana Cañon Park am Fischfluss Canyon haben sich die Wildbestände erholt. Die positiven Ergebnisse der jüngsten Wildzählung im August bestärkt die Betreiber in ihrer Absicht, weitere Wildarten wieder anzusiedeln, die einst dort heimisch gewesen und vom Menschen ausgerottet worden sind.

von Sven-Eric Kanzler
 

  56 Springbock, 180 m. Der Kugelschreiber zittert leicht - ob vor Kälte oder Freude, lässt sich schwer sagen. Eben noch schien die ausgebreitete Ebene wie tot. Doch kaum schob sich der Wagen über die nächste kleine Anhöhe, tauchte die Herde wie aus dem Nichts vor uns auf. Ein herrlicher Anblick, wie diese leichtfüßigen Gazellen im kräftigen Licht der aufgehenden Sonne über die Ebene fliegen! Während am Horizont die Berge und Schluchten des Fischfluss Canyons eine imposante Kulisse bilden...  

Wildzählung im Gondwana Cañon Park. Sieben Teams sind unterwegs im 1.120 km² großen privaten Naturschutzgebiet am Ostrand des Fischfluss Canyons. Stehend, hinten auf dem Wagen, wegen der besseren Sicht; in mehrere Kleidungsschichten gehüllt, Kapuze oder Pudelmütze tief ins Gesicht gezogen, wegen des eisigen Windes.
Trotz Kaltfront und Dunkelheit hat sich jeder kurz nach fünf aus dem mollig-warmen Bett gequält, ist im Restaurant mit ein paar Tassen Kaffee und einem kleinen Frühstück langsam wach geworden und hat dann den Wagen bestiegen.

Noch am selben Abend, nachdem
alle Teams zurück gekehrt und
ihre Beobachtungen in den Computer
 
Trotz Kaltfront und Dunkelheit macht sich Team Nr. 7 auf den Weg zur Zählung.
Foto: sek
eingegeben haben, steht fest, dass sich die Mühe mehr als gelohnt hat: der Hochrechnung zufolge leben im Park etwa 4.500 Springböcke, 620 Gemsböcke, 560 Kudus und 420 Bergzebras. Ein unglaublicher Zuwachs gegenüber 1997, als die Bestände noch auf 500 Springböcke, 40 Gemsböcke, 30 Kudus und 20 Bergzebras geschätzt wurden. Allgemein bedauert wird lediglich, dass keine der vor zwei Jahren ausgesetzten vier Giraffen gesehen wurde.

   

  Bergzebras haben sich im Gondwana Cañon Park stark vermehrt.
Foto: Gondwana Desert Collection
 

  Multiplikator für kleines Wild
Die sieben standardisierten Routen sind so gewählt, dass sie unterschiedliche Terrains abdecken wie offene Flächen, felsiges Gelände, Inselberge oder Riviere. Zur Orientierung gibt es eine Satellitenkarte, auf der die jeweilige Route markiert ist und ein Raster das Gebiet in 2 km x 2 km große Quadranten aufteilt. Gezählt wird ohne Fernglas, so dass in der Praxis Korridore von einer Sichtweite von etwa 1.000 m links und rechts der Wege erfasst werden. Bei jeder Sichtung notiert man die Anzahl der Tiere, die Entfernung (im rechten Winkel vom Weg zum Zeitpunkt der Sichtung) und den Quadranten. Jungtiere werden nicht mitgezählt, sondern separat notiert.
 

Per Computer lassen sich aus den Daten Hochrechnungen für jede Wildart ermitteln. Dabei werden Korrekturfaktoren verwendet - für den proportionalen Anteil jedes Terrains an der Fläche des jeweiligen Sicht-Korridors und für die Sichtbarkeit jeder Wildart. Kleinere Tiere sind schlechter zu entdecken als größere, so dass für jede Tierart ein eigener Ausgleichsfaktor nötig ist. Diese Faktoren wurden ermittelt, indem Sichtungen von Tieren und die dazu gehörigen Entfernungen statistisch ausgewertet wurden.

Natürlich eignet sich die Zählmethode weder für nacht-aktive Tiere noch für Wildarten mit einer niedrigen Populationsdichte. Denn dann erhält der Zufall einer Sichtung einen zu großen Einfluss auf das Ergebnis. Ein Beispiel ist die Kuhantilope, von der vor zwei Jahren 40 Tiere im Gondwana Cañon Park ausgesetzt wurden (nachdem die letzten Kuhantilopen vor mehr als
 
Keine Fata Morgana: Giraffe am Fischfluss Canyon.
Foto: Michaela Kanzler
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60 Jahren in der Nähe von Ai-Ais erlegt worden waren). Sie sind auf drei getrennte Gruppen verteilt. Wird bei der Zählung keine Gruppe gesichtet, bringt die Hochrechnung einen zu niedrigen Wert; werden zufällig alle drei Gruppen entdeckt, ist der ermittelte Wert zu hoch. Die Methode der Wildzählung ist für Steppenwild entwickelt worden, das relativ weit verbreitet ist.

  Wild auch zugewandert
Für größere Antilopen wie Gemsbock und Kudu, aber auch für Springbock und Bergzebra liefert das gesamte Verfahren also verlässliche und realistische Daten. Wichtig ist natürlich auch, sie richtig zu interpretieren. So weisen Gondwana-Direktor Chris Brown und Naturschützer Jo Tagg während der Präsentation darauf hin, dass viele Einflüsse zu berücksichtigen seien und auch noch weitere Erfahrungswerte gesammelt werden müssten. Die Zahlen im vergangenen Jahr, als die Sicht durch Dunst behindert gewesen war, müsse man wohl im Nachhinein etwas nach oben korrigieren. Dem stimmt auch Park Manager Otto von Kaschke zu, der in verschiedenen Gegenden regelmäßig Stichproben-Zählungen durchführt. So werden die Kuhantilopen nach der Methode
 
für bekannte Gruppen gezählt: Wildhege-Personal beobachtet diese Gruppen regelmäßig und führt Buch über Geburten und Todesfälle.

Die Zuwachsraten, so Brown, seien nicht nur auf Vermehrung, sondern auch auf Zuwanderung zurückzu-führen. Aus dem gebirgigen Gelände und den Rivieren des im Westen angrenzenden Ai-Ais Richtersveld Transfrontier Parks ziehe das Wild - vor allem das Bergzebra - in Zeiten der Trockenheit ostwärts in regenreichere Gebiete. Ähnlich verhält sich der Gemsbock, der auf die grasreichen Ebenen des Gondwana Cañon Parks zieht. Das zeige erneut, wie wichtig es bei trockenen Ökosystemen ist, die Gebiete für Wild zu erweitern und ihm zu ermöglichen, sich frei zu bewegen - denn darin besteht seine wichtigste Strategie, in trockenen Zeiten zu überleben. Daher müsse es oberstes Ziel der Wildhege Gondwanas sein, betont Brown, auch die restlichen Zäune zu Nachbarn abzubauen, die Wild wertschätzen.
 
Der Gondwana Cañon Park ist 1.120 km² groß. Quelle:
Gondwana Desert Collection
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Land kann noch mehr Wild verkraften
Die Wildzählung liefert also keineswegs nur Material für Statistiken, sondern bildet ein solides Fundament für die Wildhege und für künftige Maßnahmen. Ein wichtiger Wert ist die Biomasse pro Hektar, ermittelt aus den Gesamtzahlen des Wildes, dem art-spezifischen Gewicht und der Fläche. Um zu vermeiden, dass nach schlechtem Regen Hunderte Tiere qualvoll verenden oder das Weideland ernsthaft Schaden nimmt, achtet man sehr genau darauf, die Tragkraft des Landes nicht voll auszuschöpfen. Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich die Biomasse von gut 4 kg/ha im Vorjahr auf mehr als 5 kg/ha erhöht. Das Land kann allerdings auch bei schlechtem Regen noch ohne weiteres 8 kg/ha verkraften.
 
Chalets der Cañon Lodge, einer der Unterkünfte im Gondwana Cañon Park.
Foto: Gondwana Desert Collection

  Am Ende der Diskussion wird Bilanz gezogen und in die Zukunft geblickt:

- Die gesammelten Daten vermitteln ein gutes Bild davon, wie sich die Wildbestände im Laufe der Jahre verändert haben und wie sich das Wild über das Parkgebiet verteilt. Anhand der Zahlen lassen sich Populationen und Biomasse abschätzen - wichtig für Maßnahmen der Hege, mit denen sicherzustellen ist, dass man den richtigen 'Mix' an Arten bewahrt.
- Die Bestände haben sich gut erholt. Das ist eine frohe Botschaft vor allem auch für den Süden, wo europäische Jäger vom Kap her viele Tierarten vor etwa 100 Jahren ausgerottet haben, darunter Nashörner, Elefanten und Giraffen.
- Die Wildansiedlung muss fortgesetzt werden. Die Aussetzung weiterer 12 Giraffen und 20 Kuhantilopen wird ins Auge gefasst, um den Genpool zu erweitern; in den nächsten Jahren sollten Steppenzebra, Streifengnu und Elenantilope neu ausgesetzt werden, um die Vielfalt zu erhöhen und diese Tierarten im Süden Namibias wieder zu etablieren. Auch würden dadurch mehr Nahrungsnischen besetzt und die Selbstregulierung des Wildbestandes in dem Gebiet flexibler gestaltet werden. Raubtiere wie Schakal, Wüstenluchs (Caracal), Braune Hyäne und Leopard gibt es im Park bereits; Geparden dürften mit steigender Wildzahl und raubtier-freundlicher Haltung früher oder später zuwandern.
- Die restlichen Zäune zwischen staatlichem und privatem Park sowie entlang der Straße sollten abgebaut werden, damit sich die Tiere noch freier bewegen können.
- Zwischen beiden Parks sollte noch besser zusammengearbeitet werden. Patrick Lane, Hauptaufseher der Parks im Süden vom Ministerium für Umwelt und Tourismus, der an der Zählung teilgenommen hat, schlägt vor, die Wildzählung auf angrenzende Gebiete 'seines' Parks auszudehnen.
- Und nicht zuletzt eignen sich Wildzählungen hervorragend, Theorie und Praxis in Wildhege und Naturschutz zu vermitteln. Ob Park Management, Lodge-Mitarbeiter, Anteilhaber oder Nachbarn - sie alle beteiligen sich voller Begeisterung an einem Ereignis, bei dem Wild und Natur als größtes Guthaben des Gondwana-Projektes im Mittelpunkt steht.
 

  Abschließend dankt Gondwana-Direktor Chris Brown den freiwilligen Helfern für ihren Einsatz. Das schönste Dankeschön jedoch kommt am nächsten Morgen von der Natur selbst. Kurz nach der Abfahrt vom Cañon Village nämlich hebt sich westlich der Straße vor dem dunklen Felsplateau im Hintergrund der helle Körper einer Giraffe ab - die genüsslich an einem Köcherbaum frisst.  

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- Mehr Information
www.gondwana-desert-collection.com


 

Information:
Gondwana Desert Collection
Marketing Manager Miriam Spatz
Tel +264 (0)61 230066
Fax +264 (0)61 251863
Email info@gondwana-desert-collection.com
Web www.gondwana-desert-collection.com

Pressekontakt:
Bush Telegraph CC
Editor Sven-Eric Kanzler
Tel +264 (0)61 224822
Fax +264 (0)61 255148
Email kanzler@mweb.com.na
Web www.bush-telegraph-namibia.com

 

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