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Wild fühlt sich am Canyon wohl
Intro: Im Gondwana Cañon Park am Fischfluss Canyon
haben sich die Wildbestände erholt. Die positiven
Ergebnisse der jüngsten Wildzählung im August
bestärkt die Betreiber in ihrer Absicht, weitere
Wildarten wieder anzusiedeln, die einst dort heimisch
gewesen und vom Menschen ausgerottet worden sind.
von Sven-Eric Kanzler |
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56 Springbock,
180 m. Der Kugelschreiber zittert leicht - ob vor Kälte
oder Freude, lässt sich schwer sagen. Eben noch
schien die ausgebreitete Ebene wie tot. Doch kaum schob
sich der Wagen über die nächste kleine Anhöhe,
tauchte die Herde wie aus dem Nichts vor uns auf. Ein
herrlicher Anblick, wie diese leichtfüßigen
Gazellen im kräftigen Licht der aufgehenden Sonne
über die Ebene fliegen! Während am Horizont
die Berge und Schluchten des Fischfluss Canyons eine
imposante Kulisse bilden... |
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Wildzählung
im Gondwana Cañon Park. Sieben Teams sind
unterwegs im 1.120 km² großen privaten
Naturschutzgebiet am Ostrand des Fischfluss Canyons.
Stehend, hinten auf dem Wagen, wegen der besseren
Sicht; in mehrere Kleidungsschichten gehüllt,
Kapuze oder Pudelmütze tief ins Gesicht gezogen,
wegen des eisigen Windes.
Trotz Kaltfront und Dunkelheit hat sich jeder
kurz nach fünf aus dem mollig-warmen Bett
gequält, ist im Restaurant mit ein paar Tassen
Kaffee und einem kleinen Frühstück langsam
wach geworden und hat dann den Wagen bestiegen.
Noch am selben Abend, nachdem
alle Teams zurück gekehrt und
ihre Beobachtungen in den Computer |
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Trotz Kaltfront und
Dunkelheit macht sich Team Nr. 7 auf den Weg zur
Zählung.
Foto: sek |
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eingegeben haben, steht fest, dass sich die Mühe
mehr als gelohnt hat: der Hochrechnung zufolge
leben im Park etwa 4.500 Springböcke, 620
Gemsböcke, 560 Kudus und 420 Bergzebras.
Ein unglaublicher Zuwachs gegenüber 1997,
als die Bestände noch auf 500 Springböcke,
40 Gemsböcke, 30 Kudus und 20 Bergzebras
geschätzt wurden. Allgemein bedauert wird
lediglich, dass keine der vor zwei Jahren ausgesetzten
vier Giraffen gesehen wurde. |
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Bergzebras
haben sich im Gondwana Cañon Park stark vermehrt.
Foto: Gondwana Desert Collection |
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Multiplikator für kleines Wild
Die sieben standardisierten Routen sind so gewählt,
dass sie unterschiedliche Terrains abdecken wie offene
Flächen, felsiges Gelände, Inselberge oder
Riviere. Zur Orientierung gibt es eine Satellitenkarte,
auf der die jeweilige Route markiert ist und ein Raster
das Gebiet in 2 km x 2 km große Quadranten aufteilt.
Gezählt wird ohne Fernglas, so dass in der Praxis
Korridore von einer Sichtweite von etwa 1.000 m links
und rechts der Wege erfasst werden. Bei jeder Sichtung
notiert man die Anzahl der Tiere, die Entfernung (im
rechten Winkel vom Weg zum Zeitpunkt der Sichtung) und
den Quadranten. Jungtiere werden nicht mitgezählt,
sondern separat notiert. |
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Per Computer
lassen sich aus den Daten Hochrechnungen für
jede Wildart ermitteln. Dabei werden Korrekturfaktoren
verwendet - für den proportionalen Anteil
jedes Terrains an der Fläche des jeweiligen
Sicht-Korridors und für die Sichtbarkeit
jeder Wildart. Kleinere Tiere sind schlechter
zu entdecken als größere, so dass für
jede Tierart ein eigener Ausgleichsfaktor nötig
ist. Diese Faktoren wurden ermittelt, indem Sichtungen
von Tieren und die dazu gehörigen Entfernungen
statistisch ausgewertet wurden.
Natürlich eignet sich die Zählmethode
weder für nacht-aktive Tiere noch für
Wildarten mit einer niedrigen Populationsdichte.
Denn dann erhält der Zufall einer Sichtung
einen zu großen Einfluss auf das Ergebnis.
Ein Beispiel ist die Kuhantilope, von der vor
zwei Jahren 40 Tiere im Gondwana Cañon
Park ausgesetzt wurden (nachdem die letzten Kuhantilopen
vor mehr als |
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Keine Fata Morgana: Giraffe am Fischfluss Canyon.
Foto: Michaela Kanzler
Bild
Download (1,15 MB) |
| 60
Jahren in der Nähe von Ai-Ais erlegt worden
waren). Sie sind auf drei getrennte Gruppen verteilt.
Wird bei der Zählung keine Gruppe gesichtet,
bringt die Hochrechnung einen zu niedrigen Wert;
werden zufällig alle drei Gruppen entdeckt,
ist der ermittelte Wert zu hoch. Die Methode der
Wildzählung ist für Steppenwild entwickelt
worden, das relativ weit verbreitet ist. |
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Wild auch zugewandert
Für größere Antilopen wie Gemsbock und
Kudu, aber auch für Springbock und Bergzebra liefert
das gesamte Verfahren also verlässliche und realistische
Daten. Wichtig ist natürlich auch, sie richtig
zu interpretieren. So weisen Gondwana-Direktor Chris
Brown und Naturschützer Jo Tagg während der
Präsentation darauf hin, dass viele Einflüsse
zu berücksichtigen seien und auch noch weitere
Erfahrungswerte gesammelt werden müssten. Die Zahlen
im vergangenen Jahr, als die Sicht durch Dunst behindert
gewesen war, müsse man wohl im Nachhinein etwas
nach oben korrigieren. Dem stimmt auch Park Manager
Otto von Kaschke zu, der in verschiedenen Gegenden regelmäßig
Stichproben-Zählungen durchführt. So werden
die Kuhantilopen nach der Methode |
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für
bekannte Gruppen gezählt: Wildhege-Personal
beobachtet diese Gruppen regelmäßig
und führt Buch über Geburten und Todesfälle.
Die Zuwachsraten, so Brown, seien nicht nur auf
Vermehrung, sondern auch auf Zuwanderung zurückzu-führen.
Aus dem gebirgigen Gelände und den Rivieren
des im Westen angrenzenden Ai-Ais Richtersveld
Transfrontier Parks ziehe das Wild - vor allem
das Bergzebra - in Zeiten der Trockenheit ostwärts
in regenreichere Gebiete. Ähnlich verhält
sich der Gemsbock, der auf die grasreichen Ebenen
des Gondwana Cañon Parks zieht. Das zeige
erneut, wie wichtig es bei trockenen Ökosystemen
ist, die Gebiete für Wild zu erweitern und
ihm zu ermöglichen, sich frei zu bewegen
- denn darin besteht seine wichtigste Strategie,
in trockenen Zeiten zu überleben. Daher müsse
es oberstes Ziel der Wildhege Gondwanas sein,
betont Brown, auch die restlichen Zäune zu
Nachbarn abzubauen, die Wild wertschätzen. |
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Der Gondwana Cañon Park
ist 1.120 km² groß. Quelle:
Gondwana Desert Collection
Bild
Download (224 KB) |
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Land
kann noch mehr Wild verkraften
Die Wildzählung liefert also keineswegs nur
Material für Statistiken, sondern bildet
ein solides Fundament für die Wildhege und
für künftige Maßnahmen. Ein wichtiger
Wert ist die Biomasse pro Hektar, ermittelt aus
den Gesamtzahlen des Wildes, dem art-spezifischen
Gewicht und der Fläche. Um zu vermeiden,
dass nach schlechtem Regen Hunderte Tiere qualvoll
verenden oder das Weideland ernsthaft Schaden
nimmt, achtet man sehr genau darauf, die Tragkraft
des Landes nicht voll auszuschöpfen. Im Vergleich
zum vergangenen Jahr hat sich die Biomasse von
gut 4 kg/ha im Vorjahr auf mehr als 5 kg/ha erhöht.
Das Land kann allerdings auch bei schlechtem Regen
noch ohne weiteres 8 kg/ha verkraften. |
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Chalets der Cañon Lodge,
einer der Unterkünfte im Gondwana Cañon Park.
Foto: Gondwana Desert Collection |
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Am Ende der Diskussion wird Bilanz gezogen und in die Zukunft geblickt:
- Die gesammelten Daten vermitteln ein gutes Bild davon,
wie sich die Wildbestände im Laufe der Jahre verändert
haben und wie sich das Wild über das Parkgebiet
verteilt. Anhand der Zahlen lassen sich Populationen
und Biomasse abschätzen - wichtig für Maßnahmen
der Hege, mit denen sicherzustellen ist, dass man den
richtigen 'Mix' an Arten bewahrt.
- Die Bestände haben sich gut erholt. Das ist eine
frohe Botschaft vor allem auch für den Süden,
wo europäische Jäger vom Kap her viele Tierarten
vor etwa 100 Jahren ausgerottet haben, darunter Nashörner,
Elefanten und Giraffen.
- Die Wildansiedlung muss fortgesetzt werden. Die Aussetzung
weiterer 12 Giraffen und 20 Kuhantilopen wird ins Auge
gefasst, um den Genpool zu erweitern; in den nächsten
Jahren sollten Steppenzebra, Streifengnu und Elenantilope
neu ausgesetzt werden, um die Vielfalt zu erhöhen
und diese Tierarten im Süden Namibias wieder zu
etablieren. Auch würden dadurch mehr Nahrungsnischen
besetzt und die Selbstregulierung des Wildbestandes
in dem Gebiet flexibler gestaltet werden. Raubtiere
wie Schakal, Wüstenluchs (Caracal), Braune Hyäne
und Leopard gibt es im Park bereits; Geparden dürften
mit steigender Wildzahl und raubtier-freundlicher Haltung
früher oder später zuwandern.
- Die restlichen Zäune zwischen staatlichem und
privatem Park sowie entlang der Straße sollten
abgebaut werden, damit sich die Tiere noch freier bewegen
können.
- Zwischen beiden Parks sollte noch besser zusammengearbeitet
werden. Patrick Lane, Hauptaufseher der Parks im Süden
vom Ministerium für Umwelt und Tourismus, der an
der Zählung teilgenommen hat, schlägt vor,
die Wildzählung auf angrenzende Gebiete 'seines'
Parks auszudehnen.
- Und nicht zuletzt eignen sich Wildzählungen hervorragend,
Theorie und Praxis in Wildhege und Naturschutz zu vermitteln.
Ob Park Management, Lodge-Mitarbeiter, Anteilhaber oder
Nachbarn - sie alle beteiligen sich voller Begeisterung
an einem Ereignis, bei dem Wild und Natur als größtes
Guthaben des Gondwana-Projektes im Mittelpunkt steht. |
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Abschließend
dankt Gondwana-Direktor Chris Brown den freiwilligen
Helfern für ihren Einsatz. Das schönste Dankeschön
jedoch kommt am nächsten Morgen von der Natur selbst.
Kurz nach der Abfahrt vom Cañon Village nämlich
hebt sich westlich der Straße vor dem dunklen
Felsplateau im Hintergrund der helle Körper einer
Giraffe ab - die genüsslich an einem Köcherbaum
frisst. |
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